Blatt 07
Die Speisekarte ist ein Fahrplan für den Mund.
Wir essen dort, wo der Zug eine Stunde Lücke hat, nicht dort, wo die Bewertung am lautesten ist. Keine Tasting-Menüs, keine Alm-Boards, kein Dirndl als Dienstkleidungspflicht.


Früh
Kaffee, Semmel, manchmal ein Ei. Kein Buffet, das nach Mitternacht aufgebaut wurde. In Wien vor der Abfahrt; in der Hütte, wenn der Koch schon wach ist.
Mittag
Suppe, die nach Knochen schmeckt. Ein Teller, der warm hält. Wir richten uns nach der Lücke im Fahrplan.
Jause
Die wichtigste Mahlzeit am Berg. Schnittfestes Brot, Salzfleisch, ein Apfel, der nicht aus dem Sortiment kommt.
Abend
Ein Gasthaus mit Stammgästen. Wein aus der Steiermark oder ein Bier, das nicht nach Festival riecht. Nachspeise nur, wenn sie unvermeidlich ist.
Allergien, Wein, und was wir nicht inszenieren
Allergien gehören in die Anfrage, nicht in die Überraschung am Tisch. Wir geben sie an Wirte und Hütten weiter, können aber keine Sterneküche in 1800 Metern garantieren. Wer vegan unterwegs ist, braucht in manchen Tälern Geduld — das sagen wir vorher.
Wein nach der Südbahn: ein Hof, ein Einschenken, kein Seminar. In Tirol trinken wir weniger und früher, weil der nächste Tag steigt. In Kärnten darf das Glas wärmer sein. Nirgends ist Alkohol das Programm.



Nächster Halt
Schreiben Sie, was Sie nicht essen.
Der Rest findet sich. Wir versprechen keinen Genusskatalog, sondern warme Teller zur richtigen Stunde.